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Wer Erfolg haben will, muss am Unternehmen arbeiten, nicht im Unternehmen

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Wo es an Beratung fehlt, da scheitern die Pläne.

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KOMPTETENZ BUS

Wenn man nicht weiß wohin, dann ist jeder Weg richtig.

KOMmentar

25.05.2018

Auf den Prüfstand!

Die Kosten für Tanken und Waschen werden gerne unterschätzt. Dabei können diese im Wettbewerb entscheidend sein

Es gab mal eine Zeit, da verdiente der Berater seine Brötchen noch als Omnibusfahrer. In diesen seligen Zeiten galt der eherne Grundsatz:

„Jeder Bus wird nach Dienstende betankt, gewaschen und innen gereinigt!“

Aus betrieblicher Sicht halte ich diese Regel auch heute noch für völlig richtig, denn nur so ist absolut sicher, dass jeder Bus auf dem Hof stets uneingeschränkt einsatzbereit ist. Bei (profitablen) Bestandsverkehren braucht man über dieses Thema auch heute (noch) nicht zu diskutieren. Schließlich sind die betreffenden Kosten eingepreist.

Eine andere Sicht der Dinge bekommt man jedoch, wenn man sich darum bemühen muss, Linienverkehre im Wettbewerb zu gewinnen. Dann müssen alle Kosten auf den Prüfstand. Gerade bei alteingesessenen Linienbetrieben kommt es hierbei im Verlauf der Kalkulation beim Thema Tanken und Waschen immer wieder zu interessanten Aha-Erlebnissen.

Dazu ein Beispiel:

Ein Busunternehmen betreibt an Schultagen 30 Omnibusse im Linienverkehr, an Ferientagen sind es noch 25 Fahrzeuge, an Samstagen 15 und an Sonn- und Feiertagen zehn. Die Busse werden täglich betankt. Das ergibt 8.585 (achttausendfünfhundertfünfundachzig) Tankvorgänge pro Jahr. Wenn man pro Tankung einen Zeitaufwand von 15 Minuten ansetzt, kommt man auf jährlich 2.146 Arbeitsstunden. Nach dem baden-württembergischen Tarifvertrag kostet die Arbeitsstunde eines Berufskraftfahrers aktuell rund 27 Euro, ohne Zuschläge wohlgemerkt. Allein die Tankerei kostet also pro Jahr 57.942 Euro!

Wie sieht es denn mit dem Waschen aus? Selbst wenn wir von dem genannten ehernen Grundsatz abweichen und nicht täglich, sondern nur zweimal pro Woche waschen, kommen beeindruckende Zahlen heraus: an 37 Schulwochen ergeben sich dann für die 30 eingesetzten Busse 2.220 Wäschen. Hinzu kommen an 13 Ferienwochen für die 25 Busse weitere 650 Wäschen. Insgesamt kommen wir in unserem Beispielunternehmen also jährlich auf 2.870 Waschvorgänge. Eine Buswäsche kostet bei einem gewerblichen Anbieter rund 40 Euro netto. Lassen Sie uns für unser Unternehmen von nur 10 Euro an Selbstkosten (Wasser, Abwasser, Energie, Kapitalkosten etc.) ausgehen. Den Zeitaufwand für eine Wäsche setze ich jetzt mal mit 20 Minuten an; es ergeben sich so 957 Arbeitsstunden jährlich. Der Kostensatz pro Stunde betrage wie beim Tanken 27 Euro.

Die Waschvorgänge selber kosten also pro Jahr 28.700 Euro (2.870 Wäschen x 10 Euro).  Hinzu kommen Lohnkosten in Höhe von 2.870 Wäschen x 27 Euro = 77.490 Euro. Insgesamt kostet die Wascherei unser Unternehmen also 106.190 Euro pro Jahr.

Nun zur Innenreinigung. Lassen Sie uns davon ausgehen, dass die Busse grundsätzlich nach jedem Einsatz innen grob gereinigt werden – Zeitaufwand 10 Minuten. Das kann während des Tankens geschehen und kostet somit keine zusätzliche Zeit. Einmal wöchentlich werden die Busse aber etwas intensiver gereinigt. Dafür veranschlage ich mal eine Stunde. Es ergeben sich 1.435 Innenreinigungen pro Jahr mit 1.435 Arbeitsstunden. Das muss kein Berufskraftfahrer machen, es genügt eine Reinigungskraft, die meinethalben 15 Euro pro Stunde kostet. Ohne Putzmittel kommen wir so auf Kosten von 21.525 Euro pro Jahr.

Das beschriebene Szenario kommt also auf jährliche Gesamtkosten von rund 185.000 Euro pro Jahr. Bei jährlich 1.500.000 km wären das 12 Cent pro Kilometer!

Man kann über jede Zahl, die ich in dem Beispiel angesetzt habe, diskutieren. Die Lohnkosten mögen in manchen Gegenden Deutschlands niedriger liegen, die Wäschen mögen günstiger oder auch teurer sein und meine Zeitvorgaben zu eng oder zu großzügig. Aber darum soll es auch nicht gehen.

Vielmehr geht es mir mit diesem Beispiel schlicht darum, Sie zu motivieren, solche alltäglichen Prozesse im Betrieb einmal in Zahlen zu fassen und mit Ihren innerbetrieblichen Kostensätzen zu bewerten. Vielleicht kommen Sie dann zu dem Schluss, dass es durchaus lohnend sein kann, solche Betriebsabläufe mal zu überdenken.

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11.09.2016

Fernbusgeschäft für Mittelständler profitabel?

Seltsame Interpretation einer Studie des DSGV

Das Handelsblatt berichtete am 29. August über das Thema "Fernbusse". In dem Artikel wird etwa behauptet, die Busunternehmen seien 2012, also vor der Freigabe des Fernbusverkehrs, „meist defizitär“ gewesen, aber schon nach zwei Jahren Fernbus hätten die meisten „bereits Renditen vorweisen“ können. Man begründet dieses Wunder mit einer „deutlich besseren Auslastung der vorhandenen Flotte“. Das ist doch alles Unsinn! Natürlich waren die Unternehmen 2012 zum Glück NICHT „meist defizitär“. Und wenn in den Folgejahren die Renditen gestiegen sind, lag das eher an den sinkenden Spritpreisen als am Fernbus. Man fragt sich auch, wie die Fernbusverkehre die vorhandenen Fuhrparks besser auslasten sollen – etwa nach dem Motto: „wenn wir sonst keine Aufträge haben, dann fahren wir halt Fernbus“?

Zwischen München und Stuttgart etwa kostet ein Ticket meist rund 9 €, das sind netto 7,56 €. Wenn der Unternehmer 75 Prozent der Einnahmen erhält, bleiben ihm pro Fahrgast 5,67 €. Allein um die Grenzkosten (also die kilometerabhängigen und die Fahrerkosten) einer solchen Fahrt zu decken, müssten also an die 30 Fahrgäste mitfahren! Und von Kostendeckung oder gar Gewinn wäre man dann noch weit entfernt. Sicher  gibt es auch andere Linien, auf denen ordentlich verdient wird. Aber die sind eher dünn gesät. Oder warum sonst steigen so viele Fernbusunternehmer schon wieder aus?

Der Artikel bezog sich übrigens auf den Branchenreport 2016 Personenverkehr des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). Ich habe mir deshalb den Artikel beschafft und festgestellt, dass sich praktisch nichts, was in dem Artikel zu lesen ist, im Branchenreport wiederfindet. Der Autor des Artikels ist vielmehr aufgrund eigener Recherchen zu den umstrittenen Schlussfolgerungen gekommen.